Blog

mobile Apps

WhatsApp, Signal, Telegram, Threema – welche Messenger sind empfehlenswert?

Früher war das Leben einfach: Wollte man jemandem rasch etwas mitteilen, so griff man zum Telefon. Heute, im Zeitalter der Digitalisierung, Mobilität und ständigen Erreichbarkeit, hat man die Qual der Wahl – so auch bei Messenger-Apps.

Worum geht es?

Wer den Messenger WhatsApp nutzt, wurde dazu aufgefordert, bis am 15. Mai 2021 der Weitergabe von persönlichen Daten ans Mutterhaus Facebook Inc. zuzustimmen, ansonsten kann sie oder er über den Dienst nicht mehr kommunizieren. Das hat einerseits für viel Wirbel gesorgt und andererseits Anbietern wie Signal, Telegram und Threema eine Menge neuer Kunden beschert.

Konkret ist es so, dass WhatsApp bereits seit 2016 Daten seiner Nutzer aus Nicht-EU-Mitgliedsstaaten wie der Schweiz und seit 2018 solche von Nutzern aus der EU mit Facebook Inc. teilt, sofern diese nicht wiedersprochen hatten. Mit der kommenden Änderung der Nutzungsbedingungen wird den Nutzern dieses Widerspruchsrecht nicht mehr gewährt.

Daten sind das neue Gold

Facebook Inc. ist ein hochkommerzielles Unternehmen, das viel Profit mit gesammelten Informationen und den Persönlichkeitsprofilen von Menschen erzielt. Die Daten bezieht Facebook nicht nur von seinen rund 2.5 Mia. monatlich aktiven Nutzern, sondern auch über viele weitere Kanäle – weshalb es auch als «Datenkrake» bezeichnet wird.

2014 hatte Facebook Inc. den Instant-Messaging-Dienst WhatsApp gekauft, für 4 Milliarden USD in bar und 15 Milliarden USD in Facebook-Aktien. Im Jahr 2020 erzielte Facebook einen Umsatz von 85.97 Mia. USD und einem Gewinn von 29.15 Mia. USD (Quelle: Wikipedia).

Es verwundert nicht, dass Plattformen wie Google, Facebook, WhatsApp oder Instagram scheinbar kostenlos sind, denn dadurch gelangen die Betreiber an wertvolle Informationen. Wir erinnern uns: Instant-Messaging-Dienste wie zum Beispiel iMessage von Apple waren von Beginn weg so beliebt, weil sie im Gegensatz zu SMS nichts kosteten. Mit Speck fängt man Mäuse.

Während solche Apps also Information, Kommunikation und Unterhaltung im digitalen Raum ermöglichen, dienen Sie insgeheim als «Datenstaubsauger». Goldschürfen durch Crowd-Sourcing.

Um welche Daten geht es?

Schauen wir uns an, welche Daten der WhatsApp-Messenger von seinen Nutzern erhebt und verarbeitet. Dies sind unter anderem:

  • die eigene Telefonnummer
  • alle Telefonnummern der Kontakte aus dem Adressbuch, auch derjenigen ohne WhatsApp
  • Nutzungsinformationen, die die Aktivität eines Nutzers umfassen
  • Gerätedaten wie
    • IP-Adresse
    • verwendetes Gerät/Modell
    • verwendetes Betriebssystem
    • Batterieladestand
  • Mobilfunknetz bzw. Anbieter
  • Profilnamen, Profilbild und Statusmeldungen
  • Standortinformationen

Zusammengeführt mit Informationen aus anderen Quellen erstellen Big-Tech-Firmen wie WhatsApp, Facebook, Google und Co. Persönlichkeitsprofile einschliesslich Beziehungsnetzen und nutzen diese nicht nur für personalisierte Werbung. Als US-amerikanische Unternehmen unterliegen WhatsApp und Facebook dem USA PATRIOT Act, ein Gesetz, das sie dazu verpfichtet, diese Daten staatlichen Institutionen wie zum Beispiel Geheimdiensten zur Verfügung zu stellen und darüber schweigen zu müssen.

Im September 2020 strich der eidgenössische Datenschutzbeauftragte die USA von der Liste der Staaten mit «bedingt angemessenem Datenschutz» (Quelle: Medienmitteilung des Bundes).

Dass mit der Nutzung von WhatsApp auch persönliche Daten von Menschen, die kein WhatsApp nutzen, ohne deren Einwilligung verwendet und mit Dritten geteilt werden, ist datenschutzrechtlich bedenklich. Jeder Nutzer von WhatsApp trägt hier eine Mitverantwortung.

Wie weiter?

Wer WhatsApp nutzt, kann sich nun fragen:

  1. Will ich meine Daten und die meiner Mitmenschen im Adressbuch ab dem 15. Mai 2021 weiterhin bzw. neu mit der Facebook Inc. und US-amerikanischen Behörden teilen?
  2. Falls nicht: Welchen anderen Messenger nutze ich stattdessen?
  3. Wie lösche ich WhatsApp «richtig»?
  4. Welche anderen Datensammel-Apps will/brauche ich auch nicht mehr?

Wie im realen Leben bedeutet auch dieser digitale Umzug Aufwand, da eventuell die eigenen WhatsApp-Kontakte motiviert und Gruppen am neuen Ort neu angelegt werden müssen. Dazu ist es hilfreich, die Kontakte über die eigenen Beweggründe und die Vorteile des neuen Ortes zu informieren. Gerade jetzt ist eine gute Zeit für den Wechsel, denn der Frühling steht für den Neubeginn und «alles neu macht der Mai».

Der Messenger-Vergleich

Der deutsche Sicherheitsexperte Mike Kuketz untersucht und vergleicht Instant-Messaging-Dienste. Die Ergebnisse veröffentlicht er in einer Tabelle im Internet, der sogenannten «Messenger-Matrix». Die Messenger sind nach den Schwerpunkten Systemunterstützung, Sicherheit und Datenschutz, Nachhaltigkeit, Funktionen und Backup bewertet. Seine neuste Empfehlung vom 20. April 2021 lautet:

Empfohlen

  • Briar (nur Android)
  • Conversations
  • Element (Matrix)
  • Signal
  • Siskin (XMPP)
  • Threema

Bedingt empfohlen

  • Delta Chat
  • Jami
  • Wire

Nicht empfohlen

  • aTox (Tox)
  • iMessage
  • Skype
  • Telegram
  • WhatsApp

Durchschnittsnutzern empfiehlt Mike Kuketz Signal oder Threema zu verwenden.

Fortgeschrittenen rät er zu Conversations und Element, Journalisten und Aktivisten zu Briar.

Details und Links zu den Hintergrundinfos finden Sie in seiner Messenger-Matrix.

Weitere Infos und eine Anleitung, wie Sie WhatsApp «richtig» von ihrem Gerät löschen, finden Sie in seinem Blogbeitrag Datenschutzfreundliche und sichere WhatsApp-Alternativen.

Fazit

Die Änderung der Nutzungsbedingungen und das Ende des Widerspruchrechts bieten Nutzern von WhatsApp die Gelegenheit, zu einem Messenger zu wechseln, der die eigenen Daten wie auch die der eigenen Kontakte besser schützt. Bessere Alternativen sind vorhanden.

Der «Fall WhatsApp» schärft aber auch das Bewusstsein für den Schutz und Wert der persönlichen Daten. Wer einen Ratgeber sucht für die digitale Selbstbestimmung, findet diesen beim Verein Digitale Gesellschaft Schweiz, der sich für die Freiheitsrechte der Menschen in der digitalen Welt einsetzt:

Eine kurze Anleitung zur digitalen Selbstverteidigung