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Schweizer Alternativen zu WhatsApp und iMessage

Seit geraumer Zeit gibt es Instant-Messaging-Dienste «made in Switzerland». Wir zeigen Ihnen hier einen Vergleich zwischen zwei Schweizer Angeboten und den etablierten Diensten WhatsApp und iMessage.

Instant Messenger mit Kostenvorteil

Instant-Messaging-Dienste bieten den Vorteil, dass bei ihnen in der Regel keine Nutzungsgebühren anfallen: Anrufe, Textnachrichten und Video-Chats laufen über eine Internetverbindung statt übers Mobilfunknetz.

WhatsApp startete im Jahr 2009, zählt heute rund 700 Millionen aktive Nutzer weltweit und galt als der am schnellsten wachsende Internetdienst der Geschichte. 2011 zog Apple mit iMessage nach, das nach wie vor nur auf Apple-Geräten läuft.

Datenschutz- und Sicherheitsprobleme

Der WhatsApp-Messenger geriet öfters wegen gravierenden Sicherheitslücken in die Kritik. So auch vor ein paar Tagen, als bekannt wurde, dass sich die Aktivitäten von WhatsApp-Nutzern leicht von jedermann einsehen lassen. [Link]

Bei WhatsApp wie auch bei iMessage liegen die übermittelten Inhalte und die Nutzungsdaten in den Händen der Grosskonzerne Facebook und Apple. Beide US-Firmen unterstehen dem amerikanischen Datenschutzgesetz und dem Patriot Act, der den Behörden uneingeschränkten Zugriff auf die Daten gewährt.

Facebook – als aktueller Eigentümer von WhatsApp – und Apple sind für ihren laschen Umgang mit der Privatsphäre ihrer Nutzer bekannt: Facebook zum Beispiel verdient sein Geld mit Werbung, weshalb seine Nutzer den «kostenlosen» Dienst zwar nicht mit Geld bezahlen, wohl aber mit der Aufgabe ihrer Privatsphäre.

Nicht zuletzt auch aufgrund der bekannt gewordenen Massenüberwachung von elektronischer Kommunikation durch Geheimdienste bevorzugen immer mehr Menschen eine Lösung, die bei der Sicherheit und Privatsphäre mehr bietet.

Made in Switzerland

Im Dezember 2012 kam Threema auf den Markt, eine Messenger-App eines Schweizer Unternehmens. Im Juni 2013 zog die Swisscom mit ihrem Dienst iO nach. Bei beiden werden die sensiblen Inhalte und Nutzungsdaten während der Übertragung verschüsselt und in der Schweiz gespeichert. Beide Angebote wurden weitereinwickelt und bieten inzwischen alle wesentlichen Funktionen eines etablierten Messengers.

Als Facebook im Februar 2014 das WhatsApp-Unternehmen für sagenhafte 16 Milliarden US-Dollar übernahm, verunsicherte das viele Nutzer und erhöhte auf einem Schlag die Nachfrage nach Alternativen wie Threema und Swisscom iO.

Heute machen wir den Vergleich zwischen diesen vier Konkurrenten.

Der Vergleich

Threema Swisscom iO WhatsApp iMessage
Threema Swisscom iO WhatsApp iMessage
Hersteller: Threema GmbH (Schweiz) Swisscom (Schweiz) WhatsApp Inc., eine Facebook-Firma (USA) Apple (USA)
VERBREITUNG:
Betriebssysteme Mobil: Android
iOS (iPhone, iPad)
Windows Phone
Android
iOS (iPhone, iPad)
Windows Phone
Android
iOS (iPhone, iPad, etc.)
Blackberry
Windows Phone
u.a.
iOS (iPhone, iPad, etc.)
Betriebssysteme Desktop: – – – OS X
Webversion (Browser): Nein Nein Ja Nein
Nutzer weltweit (gem. Hersteller): 3 Mio
(Aug 2014)
600’000
(Feb 2014)
700 Mio
(Dez 2014)
200 Mio
(geschätzt)
FUNKTONEN:
Textnachrichten: Ja Ja Ja Ja
Gruppen-Chats: Ja (nur Android, iOS) Ja (seit Juli 2015) Ja Ja
Sprachnachrichten: Ja Nein Ja Ja
Video-Chats: Ja Ja Nein Nein, aber über „FaceTime“
Telefonie: Nein Ja (Anrufe an Nicht-iO-Nutzer sind gebührenpflichtig) Nein Nein
Spezielles: Im Gruppenchat können Umfragen erstellt werden. iO@home: Swisscom-Festnetzkunden können Anrufe auf der Festnetznummer auf iPad-Geräten empfangen. – –
DATENSCHUTZ UND SICHERHEIT:
Datenspeicherung: Schweiz Schweiz USA USA
Verschlüsselte Datenübertragung: Ja Ja Ja Ja
Datenverschlüsselung auf den Servern: Ja Nein Nein k.A.
KOSTEN:
App-Kosten: CHF 2.- kostenlos 1. Jahr kostenlos, danach US$ 0.99/Jahr kostenlos
Kostenpflichtige Dienste: – Anrufe an nicht iO-Nutzer – –
WEITERES:
Informationen / Download: Website Website (nicht mehr gültig) Website Website

Fazit

WhatsApp geniesst als ältester der vier Dienste die grösste Verbreitung unter den Nutzern. Apples iMessage ist praktisch für Apple-Nutzer, da es sich geräteübergreifend nutzen lässt. Leider endet es am Rand des Apple-Universums.

WhatsApp und iMessage liegen bei den Funktionen gleich auf, sind aber in Sachen Sicherheit und Datenschutz gegenüber den beiden anderen Diensten im Hintertreffen.

Als junge Angebote haben Threema und Swisscom iO noch nicht die Nutzerzahl ihrer Konkurrenten. Wer hauptsächlich mit Nutzern in der Schweiz kommuniziert, ist mit beiden Diensten dennoch gut bedient. Threema bietet im Gegensatz zu iO die beliebten Gruppen-Chats. *)

*) Update vom 9.7.2015: Seit Juli 2015 gibt es Gruppen-Chats auf auf iO.

*) Update vom 18.1.2016: WhatsApp hat angekündigt, die App-Kosten abzuschaffen.

Beide Schweizer Angebote haben die Nase vorn bei der Sicherheit und dem Datenschutz: Die Betreiber sind inländische Firmen, die Daten liegen auf Rechnern im Inland und unterstehen Schweizer Recht. Bei Threema sind auch die Daten auf den Servern verschlüsselt, womit Ihre Privatsphäre besser geschützt ist. Die bescheidenen App-Kosten von CHF 2.- sind dies wert.

Ein Manko: Bei allen vier vorgestellten Diensten ist der Code proprietär, das heisst, dass nur der Hersteller ihn einsehen kann. Die Öffentlichkeit hat dadurch keine Möglichkeit, die Sicherheit der Dienste zu überprüfen. Ein allgemeines Risiko ist auch das Endgerät selber, wo sich Schadprogramme einnisten können. Betriebssystem, Virenschutz und Firewall sollten Sie deshalb immer auf dem neusten Stand halten.

Falls Sie mehr Sicherheit und Privatsphäre wünschen, sollten Sie Open-Source-Dienste verwenden, die Ihre Daten durchs Band hinweg stark verschlüsseln. Wegen der geringen Verbreitung eignen sich solche Angebote jedoch weniger für Personen, die über den Messenger mit einem grossen Freundeskreis in Kontakt sein möchten.

Die sicherste und oftmals auch angenehmste Art ist es, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, ein reales Treffen zu vereinbaren und frei von elektronischen Mitteln zu kommunizieren.
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